Kurzzeitpflege und Schwerstdemenzkranke ziehen in das St.-Anna-Gesundheitszentrum ein
Neue Angebote des Sozialzentrums der AWO im Gesundheitszentrum St. Anna
Im St.-Anna-Gesundheitszentrum, Nachfolger des im vergangenen Jahr geschlossenen Krankenhauses, tut sich einiges. Nach einer längeren Phase der Sondierung und Planung, welches sinnvolle pflegerische Angebot im St. Anna Haus placiert werden kann, wird die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Hessen-Süd dort im Juni mit 15 Betten eine Kurzzeitpflege anbieten. Daneben gibt es drei Zimmer als Kurzzeitpflege-Hotel. Die Küche wird aus dem AWO-Sozialzentrum in das frühere Krankenhaus verlegt und das Sozialzentrum und 1.400 Kunden von dort ab 1. Juli mit "Essen auf Rädern" versorgen. Schliesslich ist für Herbst die Eröffnung einer Station für 20 Menschen geplant, die unter Schwerstdemenz leiden.
Dr. Thomas Behr, Betriebsleiter des AWO-Sozialzentrums in Hadamar, sprach jetzt in einem Pressegespräch von einer guten Zusammenarbeit mit dem Kreis und den Pflegekassen. Beide Angebote würden als sinnvolle und notwendige Ergänzung der bestehenden Versorgung alter und pflegebedürftiger Menschen im Kreis gesehen und unterstützt.
Da der Anteil der sehr schwer an einer Demenz erkrankten Menschen in Zukunft noch beträchtlich zunehmen wird, macht diese Form der Unterbringung im St. Anna nach Auffassung aller Beteiligter sehr viel Sinn .Die Mitarbeiter des Sozialzentrums sind auf diese neue Aufgabe bestens vorbereitet, haben sie doch in den vergangenen zwei Jahren an einem bundesweiten Qualifizierungsprogramm zum Umgang mit Demenzkranken erfolgreich teilgenommen.
Derzeit wird in den Räumen des St. Anna noch mit Hochdruck an der Gestaltung des Milieus gearbeitet. Die Zimmer, Gemeinschaftsräume und Flure werden hell, freundlich und ansprechend ausgestaltet, so dass hier bald eine sehr angenehme Raumatmosphäre entstehen wird.
Jede pflegebedürftige Person kann in die Kurzzeitpflege aufgenommen werden, auch aus dem benachbarten Rheinland-Pfalz. Dazu wurden die Zimmer auf der früheren Neugeborenenstation und der Aufenthaltsraum im ersten Obergeschoss renoviert und neu eingerichtet. Sie stehen Menschen in der Krankenhausnachsorge, in der Zeit der Überleitung in eine Pflegeeinrichtung zur Verfügung oder wenn es bei Abwesenheit der pflegenden Angehörigen notwendig ist. Auch die Kurse der Familienbildungsstätte werden in das St. Anna verlegt, das dafür gute Bedingungen vorhält, zum Beispiel eine kleine Turnhalle.
Die Belegung zur klinischen Nachsorge erfolge in Kooperation mit dem St.-Vincenz-Krankenhaus, das wegen der vorgegebenen verkürzten Verweildauer auf solche Nachsorgebetten dankbar sei, erläuterte Behr und fügte hinzu: "Das macht gesundheitspolitisch einen Sinn." Die Frage der Finanzierung richte sich nach der jeweiligen Einstufung. Die drei Zimmer des Kurzzeitpflege-Hotels stünden für Pflegebedürftige ab dem 18. Lebensjahr für maximal 28 Tage offen, deren pflegende Angehörige einmal ausspannen wollten.
In Kooperation mit dem Hotel "Nassau-Oranien" sei auch ein Familienurlaub in Hadamar möglich. Während Pflegepersonen den Wellnessbereich des Hotels nutzten und den pflegebedürftigen Menschen besuchen komme, werde dieser vom AWO-Hotelteam umsorgt. Da viele Angehörige mitunter bis an die Grenze ihrer Kraft pflegten, biete sich ihnen die Möglichkeit einer psychologischen Beratung.
Freilich werde dafür zusätzliches Personal benötigt. Elena Seif sei die Pflegedienstleiterin im St.-Anna-Haus. Pflege- und Hilfskräfte sowie Fachkräfte der Hauswirtschaft würden dort arbeiten, so auch auf der geschlossene Station Schwerstdementen auf der früheren Inneren Abteilung. "Sie sollen bei uns nicht mit Medikamenten ruhig gestellt, sondern nach ihren Neigungen vom Fachpersonal beschäftigt werden, damit sie sich wohlfühlen", sagte Behr und merkte an: "Sie dürfen bis zu ihrem Tod bei uns bleiben." Weitere Möglichkeiten für die AWO bestünden im zweiten Obergeschoss, das zu einem grossen Teil als Optionsfläche zur Verfügung stehe.
Betriebsleiter Behr sprach von einer grossen Nachfrage für beide Pflegebereiche, was Rita Nattermann, SPD-Stadtverordnete und Inhaberin eines privaten Pflegedienstes, nur bestätigten konnte: "Kurzzeitpflegeplätze werden ständig gesucht; denn es gibt grosse Probleme bei der Überleitung. Das ist gut für das Krankenhaus."
Die Kommunalpolitiker zeigten sich von der neuen Entwicklung beeindruckt und höchst zufrieden über die AWO als Träger eines sinnvollen Angebotes, das den Geist des St.-Anna-Krankenhauses weiterleben lässt. Sie wiesen auf das unter demselben Dach befindliche Ärztehaus mit der Internisten- und Kinderarztpraxis hin, auf das Schlaflabor, die Praxis eines Krankengymnasten und die Bemühungen, wieder einen praktischen Arzt zu gewinnen. Das bereits ausgeschilderte neue "Gesundheitszentrum St. Anna" sei voll gerechtfertigt.
Neue Schilder weisen in Hadamar den Weg zum St.-Anna-Gesundheitszentrum